26.06.2019 - Wohnraum ist in Lüneburg ein teures Gut. Wer auf der Suche danach ist, kennt die Preise und die damit verbundenen Nöte. Die Mieten steigen seit Jahren, nicht zuletzt wegen der Nähe zur Mietpreis-Hochburg Hamburg. Wer rechnen kann, weicht nach Lüneburg aus und verdrängt die, die meist schon lange hier leben. Dass nun aber ausgerechnet Lüneburg sich als erste Gemeinde in Niedersachsen eine Satzung gegen Wohnraumentfremdung genehmigt hat, verwundert dann doch.

Lüneburg und die Lüneburger Heide gehören zu den beliebtesten Zielen in- und ausländischer Touristen. Mehr als fünf Millionen Touristen haben 2017 die Region besucht, viele davon mit Lüneburg als erster Adresse. Die Übernachtungen steigen Jahr für Jahr, Gastronomie und Hotellerie, aber auch der innerstädtische Handel profitieren von der Attraktivität der Heide-Metropole.

Nutznießer sind aber auch die Vermieter von Ferienwohnungen. Deren Kalkül: Statt sich dauerhaft mit Mietern herumzuärgern, die ihre Miete nicht bezahlen, die Wohnung verkommen hinterlassen oder anderen, pflegeleichteren Mietern auf die Nerven gehen und vor Gericht häufig auch noch Verständnis erwarten dürfen, vermieten die Eigentümer nur noch tageweise. Das schont nicht nur die Nerven, das bringt unterm Strich auch mehr ein als eine seit Jahren stagnierende Miete.  

Doch damit soll nun Schluss sein, jedenfalls für neue Ferienwohnungen. Nur noch auf Antrag sollen neue FeWos hinzukommen. Wie das kontrolliert werden soll, ist unklar, denn längst nicht jeder Vermieter von Ferienwohnungen fragt vorab bei der Stadt nach, ob er das auch darf.

Die jetzt beschlossene Satzung lenkt aber zugleich davon ab, dass auch die Stadt ihrer Verantwortung nicht nachkommt. Frei nach dem Motto "Haltet den Dieb!" zeigt sie auf die bösen FeWo-Vermieter. Denn in der Stadt geht es nicht so recht voran mit der Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Das ehrgeizige Programm 2021, mit dem bis 2021 700 neue bezahlbare Wohnungen geschaffen werden sollten, ist ins Stocken geraten. 

Deshalb wäre es vielleicht "Rat"-samer gewesen, statt einer Wohnraumentfremdungs-Satzung mehr Kraft auf die Einbindung der Nachbargemeinden zu verschwenden. Denn weder in Adendorf noch in Vögelsen, Reppenstedt, Bardowick oder Deutsch Evern sind ernsthafte Anstrengungen zu erkennen, Lüneburg bei seiner Wohnungsnot zu entlasten. Gern werden die Vorzüge des nahen Oberzentrums in Anspruch genommen, bei der Aufstellung neuer Bebauungspläne aber hält man sich lieber an zahlungskräftige Eigenheim-Bauer. 

Dass sich dies auf Dauer rächt, ist absehbar, wie Untersuchungen von Immobilienunternehmen bestätigen. Denn auch Lüneburger können rechnen und weichen – zu Lasten der Dorfgemeinschaften – eben ins Umland aus. Eine konzertierte Aktion aller betroffenen Gemeinden wäre daher nicht nur sinnvoller als eine vermutlich wenig wirkungsvolle Entfremdungssatzung, sie wäre auch fairer.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Ferienwohnung nur noch mit Genehmigung"