20.04.2021 - Wie äußert man Missfallen, ohne es zu sagen? Politiker, zumindest die auf Bundesebene, beherrschen das in der Regel aus dem Effeff. Entscheidend dabei ist weniger, was gesagt wird, als vielmehr das, was nicht gesagt wird. Nahezu lehrbuchhaft demonstrierte das heute Eckhard Pols. Zur Nominierung von Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten der Union sagte der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete zutreffend, Laschet habe den CDU-Parteivorstand überzeugt. Das aber war nur die halbe Wahrheit.

Schon vor der Entscheidung, welcher der beiden Ministerpräsidenten letztlich das Rennen um die K-Kandidatur machen wird, hatte Pols sich festgelegt: sein Favorit war Markus Söder. Dass dieser es jetzt nicht geworden ist, kommentiert Pols nicht. Doch er macht klar, wer im Falle einer Wahlniederlage die Verantwortung zu übernehmen hat: der CDU-Parteivorstand. Lediglich diesen habe Laschet überzeugt. Ob er auch ihn, überzeugt hat, sagt Pols wohlweislich nicht. Es darf aus bekanntem Grund auch bezweifelt werden.

Dass Pols es dennoch unterließ, im Nachgang noch einmal Position für Söder zu ergreifen, ist nicht nur politisch klug, es wäre angesichts der inzwischen getroffenen Entscheidung auch sinnlos gewesen. Außerdem ergibt sich so für den Lüneburger CDU-Politiker eine komfortable Situation: Holt die CDU bei der Bundestagswahl nicht genug Stimmen, um im Bundestag den Kanzler bestimmen zu können, war er es, der rechtzeitig gewarnt hatte. Schafft es die CDU dennoch, kann Pols immer sagen, sich in die Parteiraison eingefügt zu haben. Die Kunst der Politik ist eben, letztlich nie auf der falschen Seite zu stehen.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Laschet hat den Parteivorstand überzeugt"