13.05.2022 - Neue Herausforderungen erkennen und sich ihnen anpassen, das mussten Städte schon immer. Wer es nicht schaffte, ging unter oder versank in der Bedeutungslosigkeit. Um dem zu entgehen, war schon das mittelalterliche Lüneburg erfinderisch. Es ließ die Landwehr um die Stadt errichten, einzig mit dem Zweck, Händler zum Passieren der Stadt zu zwingen, wo sie sich dem Stapelrecht unterwerfen mussten. Wenn in Hannover und im Rathaus nach Corona nun über die "Resilienz der Innenstadt" nachgedacht wird, ist das nicht grundsätzlich falsch. Resilienz, also Anpassung, wäre allerdings schon viel früher erforderlich gewesen.

Als im Frühjahr 2020 die Pandemie Deutschland erreichte, reagierte die Politik erst abwartend, dann zögerlich und schließlich brutal: Von heute auf morgen mussten mittels Lockdown Geschäfte, Hotels, Theater und Restaurants schließen, für wie lange, wusste keiner. Fast ebenso schnell wurden Rettungspakete ins Leben gerufen, Unternehmen wie die Lufthansa standen binnen weniger Tage Milliarden zur Verfügung.

Zwar gab es auch Hilfen für Mittelständler, doch kleine Gastronomiebetriebe, Kultureinrichtungen, freischaffende Künstler, Friseure, Einzelexistenzen also, die es gewohnt waren, meist ohne dickes Finanzpolster über die Runden zu kommen, blieben zunächst auf der Strecke. Denn die schnelle unbürokratische Hilfe versandete wie üblich irgendwo in den Untiefen staatlicher Verordnungen, unklaren Anweisungen und wohl nicht zuletzt auch aufgrund persönlichen Unvermögens festangestellter Sachbearbeiter, sich in die Lage der von existenzieller Not Betroffenen hineinzuversetzen. 

Manch einer oder eine, der oder die es tatsächlich nicht schafften und aufgeben mussten, nur weil die versprochene Hilfe zu spät kam, mag sich nun vermutlich die Augen reiben. Jetzt Förderprogramme auf den Weg zu bringen und als Retter der Innenstädte aufzutreten, das dürfte vielen von ihnen wie Hohn vorkommen. Zu Recht, denn die Gelder, die jetzt in die Hand genommen werden, wären nicht nur viel früher erforderlich gewesen. Es wäre vermutlich auch deutlich billiger gewesen, zu retten, was schon da ist, als mit viel Geld Wege zu finden, wie Verlorenes ersetzt werden kann. Das auszublenden, dafür braucht es ziemlich resiliente Politiker. 

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Geld für die Innenstadt"

 

 

Kommentare  

# Bernd Bundt 2022-05-14 14:56
Es gab leider keine Hilfen für Mittelständisch e Betriebe . Das was wir vor zwei Jahren beantragt haben und auch ausbezahlt bekommen haben, musste zu 100% zurück gezahlt werden. Ich nenne es Corona Lügenhilfe und habe somit auch kein Vertrauen in die regierenden Würdenträgern ( siehe meine Kommentare unter Bittersüss )
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# Sebastian Mahler 2022-05-14 12:25
Na, mal etwas rumnörgeln? Ich finde es beeindruckend, wie Lüneburg durch die Pandemie navigiert wurde. Und auch wenn jetzt gefördert wird, ist das sehr positiv. Aber klar, man kann immer ein Haar in der Suppe finde ;-)
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