Lüneburg muss weitere Flüchtlinge aufnehmen, doch die Ministerin spricht von Entlastung
Hannover, 10.10.2026 - Zahlen sind bekanntlich geduldig. Je nachdem, wer sie nutzt, kann ihnen jeweils den Sinn geben, der gerade genehm ist. Bei den Zahlen der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, ist das nicht anders, wie Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) gerade bewiesen hat. Die Tatsache, dass Niedersachsen in den kommenden sechs Monaten voraussichtlich weitere rund 6.000 Flüchtlinge aufnehmen – 261 davon die Region Lüneburg –, veranlasst sie, von "Entlastung" zu sprechen. Das Gegenteil ist der Fall.
Das Niedersächsische Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung hat zum Stichtag 1. Oktober 2026 ein neues Gesamtverteilkontingent für den Zeitraum von Oktober 2026 bis einschließlich März 2027 festgesetzt. Das Land geht dabei von einer Gesamtzahl von rund 6.000 Flüchtlingen aus, die in den kommenden sechs Monaten in den niedersächsischen Kommunen untergebracht und versorgt werden müssen.
Für Innenministerin Behrens ist dies ein Grund zur Freude: "Die Zahl der Geflüchteten, die in Niedersachsen Schutz suchen, ist bis Oktober 2026 auf rund 5.000 Zugänge gesunken. Das sind noch einmal deutlich weniger als in den Vorjahren, womit sich bei der Zuwanderung der niedrigste Stand seit 15 Jahren abzeichnet. Diesen Trend spüren auch unsere Städte und Gemeinden in Niedersachsen, die in den vergangenen Jahren unter Hochdruck neue Unterkünfte für Geflüchtete organisieren und schaffen mussten."
Richtig ist, dass die Zahl der neu hinzukommenden Flüchtlinge sinkt. Falsch aber ist, deshalb von Entlastung zu sprechen. Denn jede einzelne Neuzuweisung ist eine zusätzliche Belastung für die Kommunen und eben keine Entlastung. Nur weil weniger kommen, wächst die Zahl der in Deutschland und hier in der Region aufzunehmenden Flüchtlingen trotzdem kontinuierlich weiter.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der den Aspekt der "Entlastung", den die Ministerin anführt, wenig glaubwürdig erscheinen lässt. So sind im ersten Halbjahr 2026 lediglich 691 ausreisepflichtige Immigranten abgeschoben worden. Im Jahr zuvor war es mit 1.262 Ausreisepflichtigen aufs Jahr gerechnet annhähernd die gleiche Zahl, wobei auch diese Zahl aufhorchen lässt, da eigentlich 3.351 Personen eigentlich das Land hätten verlassen sollen.
Unterm Strich also bleibt: Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland und in der Region steigt von Jahr zu Jahr weiter an. Wer dennoch von Entlastung spricht, muss also entweder SPD-Ministerin sein oder von Zahlen nichts verstehen – oder beides.

