Entscheidung für den Trassen-Neubau Hamburg-Hannover stößt auf geteiltes Echo
Lüneburg, 17.09.2026 - Die angekündigte Entscheidung für den Bau der neuen Bahntrasse zwischen Hamburg und Hannover stößt in der Region auf ein geteiltes Echo. Während die Industrie- und Handelskammer den Bau begrüßt, lehnen die Alpha-E-Befürworter die Entscheidung der Bundesregierung erwartungsgemäß ab. Skeptisch reagiert auch die Landesregierung in Hannover, die durch die Pläne eine zu starke zeitliche Verschiebung für die erforderliche Entlastung der Bestandsstrecke befürchtet.
"Wir brauchen dringend mehr Kapazität auf der Schiene zwischen Hannover und Hamburg. Aber wir brauchen sie nicht irgendwann nach 2050, sondern so schnell wie möglich", kritisiert Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Pläne der Bundesregierung. Vorschläge des Landes für einen schnellen Kapazitätsausbau auf der bestehenden Strecke fänden dagegen nicht ausreichend Berücksichtigung. "Stattdessen soll nun ein Projekt mit Kosten von weit mehr als zehn Milliarden Euro weitergeplant werden, dessen Inbetriebnahme selbst unter günstigen Annahmen frühestens für 2050 erwartet wird."
Tonne macht auch klar, dass mit dem – noch ausstehenden – Beschluss des Bundestages für diesen Weg dann auch der Bund die Verantwortung für die Konsequenzen zu tragen habe, und zwar "für die Finanzierung, für den Zeitplan, für die fehlende Akzeptanz in der Region, für das Nicht-Erreichen der Klimaschutzziele in den 40er-Jahren und vor allem dafür, dass der schlechte Zustand im Bahnnetz der betroffenen Region 20 bis 30 Jahre so bleiben wird".
◼︎ Umstrittene Zeitersparnis
Deutliche Kritik kommt vom Projektbeirat Alpha-E, der sich seit Jahren für den Ausbau der Bestandsstrecke stark macht. Vor allem die hohen Kosten für den Bau der neuen Trasse stoßen den Neubau-Gegnern auf: "Die Obleute der SPD und der CDU wollen einen Antrag in den Bundestag einbringen, der in der Konsequenz die vorhandenen Ressourcen fast ausschließlich für die Neubaustrecke Hamburg-Hannover bindet. Die Gesamtkosten werden derzeit auf 14,1 Milliarden Euro geschätzt. Für die dringend notwendigen Verbesserung im Bestand planen sie aber nur 1,8 Prozent dieser Mittel ein." Aus Sicht des Beirats reiche das bei weitem nicht, um die aktuell vorhandenen Engpässe zu beseitigen. Pendler, Fernreisende und der Schienengüterverkehr müsse "zumindest 25 bis 38 Jahre auf echte Verbesserung warten".
Als weiteren Kritikpunkt führt der Beirat an, dass die angekündigte Zeitersparnis von 18 Minuten zwischen Hamburg und Hannover mit dem Verzicht auf den Halt in Harburg erkauft werde. Für Reisende aus Harburg und dem südlichen Hamburger Umland werde sich die Fahrzeit nach Hannover dadurch sogar erhöhen statt verringern. Auch die Trassenführung der geplanten Neubaustrecke stößt auf Kritik. "Nicht einmal auf zehn Prozent der Strecke gibt es eine Trassenbündelung mit der Autobahn oder der Bundesstraße", behauptet der Beirat. Überwiegend werde die Trasse Kilometer von der Autobahn oder Bundesstraße entfernt geführt, was zu neuer Zerschneidung von Landschaften führe.
◼︎ Lüneburg als Fernverkehrshalt erhalten
Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) sieht in der Verständigung der Verkehrspolitiker von Union und SPD zur Bahnstrecke Hamburg–Hannover einen wichtigen Schritt nach vorn. "Entscheidend ist, dass es jetzt endlich eine Vorentscheidung gibt und bei Planung und Realisierung keine weitere Zeit verloren geht. Für uns bleibt dabei unabhängig von der konkreten Trassenvariante maßgeblich: Wir brauchen spürbar mehr Kapazitäten für Fern-, Regional- und Güterverkehr. Und wenn eine Neubaustrecke kommt, müssen die Fernverkehrshalte in Lüneburg, Uelzen und Celle auch langfristig gesichert bleiben", sagt Tobias Siewert, IHKLW-Teamleiter Standort- und Politikberatung.
Zugleich sieht die IHKLW Klärungsbedarf bei der regionalen Anbindung entlang einer möglichen Neubaustrecke. "Bund und Land müssen klären, ob Regionalzüge künftig auch an den geplanten neuen Bahnhöfen Soltauer Heide und Bergen halten. Werden die Stationen tatsächlich bedient, kann das ein klarer Gewinn für die Anbindung unserer Region sein", so Siewert.
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