Stimmen von CDU-Politikern zur Wahl des neuen Bundes-Vorsitzenden der CDU

Lüneburg, 16.01.2021 - Zehn Monate hat die Bundes-CDU gebraucht, um ihren neuen Vorsitzenden zu finden. Heute Vormittag setzte sich auf dem digitalen Bundesparteitag der CDU Armin Laschet in der Stichwahl gegen Friedrich Merz durch, Norbert Röttgen schied zuvor im ersten Wahlgang aus. Mit gewählt haben auch zwei Delegierte aus der Region. Was sie und andere CDU-Politiker zu dem Ergebnis sagen, hat die Redaktion hier eingesammelt.

"Super" findet der aus Lüneburg entsandte Parteitags-Delegierte Alexander Schwake das Ergebnis, auch wenn der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Lüneburg einräumt, anfangs noch unentschlossen gewesen zu sein. Letztlich habe die heutige Rede von Armin Laschet den Ausschlag gegeben, ihm seine Stimme zu geben. "Die anderen beiden haben mich nicht ganz so überzeugt." Laschet verkörpere auch die Stimmung der CDU in Lüneburg, ist Schwake überzeugt. Wichtig sei nun aber auch, programmatisch die Ideen des unterlegenen Friedrich Merz widerzuspiegeln. Immerhin lag Merz mit 466 Stimmen nur 55 Stimmen hinter Laschet.

Nicht ganz so euphorisch klingt Steffen Gärtner, Bürgermeister der Samtgemeinde Gellersen. Auch er durfte als Delegierter aus dem CDU-Kreisverband Lüneburg bei der Vorsitzenden-Wahl mitstimmen, lässt sich zu dem Ergebnis aber nur entlocken, dass er darüber "nicht enttäuscht" sei. Die Wahl Laschets sehe er als "nicht pessimistisch" für die künftige Ausrichtung seiner Partei. Der neue Vorsitzende werde nun zeigen müssen, ob ihm das, was ihm als erfolgreicher Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen gelungen ist, auch im Bund gelingen wird. Wer sein Kandidat war, will Gärtner nicht preisgeben: "Das bleibt mein Geheimnis."

"Unsere CDU kann mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein", ist Eckhard Pols überzeugt, auch wenn sein Favorit eigentlich Jens Spahn gewesen wäre, "aber der stand ja nicht zur Wahl", wie der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete erklärt. Und wenn er hätte wählen dürfen? "Dann wäre es Norbert Röttgen gewesen." Friedrich Merz sei für ihn wegen dessen zu enger Ausrichtung auf die Wirtschaft nicht in Frage gekommen. Ein CDU-Vorsitzender müsse aber alle Themen berücksichtigen, kritikfähig sein "und alle in der Partei mitnehmen, auch die Frauen". Doch droht die CDU nun womöglich in zwei Lager zu zerbrechen? "Ich hoffe nicht", sagt Pols. Wohl auch deshalb empfiehlt er, Merz stärker in die Partei einzubinden. "Ich kann ihn mir als Wirtschafts- und Finanzminister gut vorstellen."

"Den Vorsitz hätte ich jedem zugetraut", sagt Felix Petersen, "ich hätte auch mit jedem leben können." Überrascht hat den Vorsitzenden des CDU-Kreisverbands Lüneburg aber das schlechte Abschneiden von Norbert Röttgen. "Da hatte ich mehr erwartet, zumal er in den sozialen Medien unglaublich aktiv war." Ob Laschet auch für Rückenwind bei den anstehenden Wahlen in der Region sorgen wird? "Das kann ich nicht beurteilen. Hier kommt es eher auf unsere Kandidaten an."

Eine dieser Kandidaten ist Monika Scherf, die im September für die CDU bei der Wahl um das Oberbürgermeisteramt in Lüneburg antritt. Sie zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden, hätte sich neben Laschet aber auch Röttgen als neuen Vorsitzenden vorstellen können. "Aber es waren drei superstarke Kandidaten im Rennen", findet Scherf. Jetzt komme es darauf an, was Laschet und Spahn, die als Team angetreten waren, aus dem Ergebnis machen. "Da bin ich gespannt." 

◼︎ Und wer soll Kanzlerkandiat werden?

Schon vor der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden stand die Frage, wer für CDU und CSU dann als gemeinsamer Kanzler-Kandidat bei der Bundestagswahl am 26. September antreten wird, im Raum. In Lüneburg scheint es einige Sympathien für Jens Spahn zu geben.

"Spahn", war die ebenso kurze wie eindeutige Antwort von Eckhard Pols. Und Laschet? "Müsste man sehen", hält sich Pols bedeckt.

"Spannende Frage, was da jetzt passiert", sagt Alexander Schwake. Aber auch er kann sich Jens Spahn vorstellen, "ich bin ein Fan von ihm."

Dem kann sich auch Monika Scherf anschließen: "Kann mir gut Jens Spahn vorstellen."

Steffen Gärtner teilt diese Einschätzung nicht, bleibt aber bei einer Prognose zurückhaltend: "Das wird abzuwarten sein."

Auch Felix Petersen will noch keinen Namen nennen. Zwar sagt auch er, dass diese Frage anstehe, doch stünden wegen Corona jetzt wichtigere Aufgaben an: "Die Bevölkerung hat aktuell andere Probleme als die Fortsetzung der Personaldebatten in der CDU." 

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