Vorerst ruht auf der A39-Baustelle der Betrieb, die meisten Geräte hat das Bauunternehmen Kalinowski bereits abgezogen. Foto: LGheuteAutobahn GmbH setzt Bauunternehmen vor die Tür – Nun droht Verkehrs-Chaos wegen B404-Vollsperrung

Lüneburg, 23.05.2022 - Die laufenden Bauarbeiten auf der A39 zwischen Winsen-West und Winsen-Ost werden sich länger als geplant hinziehen. Wie die Autobahn GmbH mitteilte, habe man den Vertrag mit dem bisherigen Auftragnehmer außerordentlich gekündigt, nachdem dieser einen Bauverzug um mindestens acht Wochen angekündigt habe. Auf Autofahrer dürften damit erhebliche Beeinträchtigungen zukommen, da parallel auch die Vollsperrung der B404 bei Geesthacht ansteht. 

Eigentlich sollte der Bauabschnitt der A39 bis zum 4. Juli fertiggestellt sein, zu dem Zeitpunkt also, an dem die sechswöchige Vollsperrung der B404 wegen Instandsetzungsarbeiten an den Elbbrücken beginnt. So sah es der Vertrag vor, den die Außenstelle Lüneburg der Autobahn GmbH, Niederlassung Nord, in einem Ausschreibungsverfahren zur Instandsetzung mit einer Arbeitsgemeinschaft unter Führung der Ewald Kalinowsky GmbH & Co KG aus Bad Bevensen geschlossen hatte. Doch dazu sah sich Letztere offenbar nicht mehr imstande und teilte laut Autobahn GmbH einen Bauverzug um mindestens acht Wochen mit.

◼︎ Lösungsvorschlag wurde abgelehnt

Bei der Autobahn GmbH schienen daraufhin die Alarmglocken zu läuten, denn die A39 soll spätestens ab dem 4. Juli den Umleitungs-Verkehr von der B404 aufnehmen. Bemühungen, gemeinsam mit dem Auftragnehmer doch noch eine Lösung zu finden, seien allerdings erfolglos verlaufen, wie Christian Merl, Pressesprecher der Autobahn GmbH, mitteilte. Der Auftragnehmer habe einen Lösungsvorschlag abgelehnt. 

Daraufhin sah sich die Autobahn GmbH "aufgrund der erheblichen Vertragsverletzungen, der Ablehnung eines konstruktiven Lösungsvorschlags und der damit einhergehenden massiven Beeinträchtigungen für die Nutzerinnen und Nutzer zur außerordentlichen Kündigung des Vertrages gezwungen", wie das Unternehmen mitteilte.

◼︎ Neue Fertigstellung jetzt Ende der Sommerferien 

Nun soll ein neuer Auftragnehmer gefunden werden, der die noch anstehenden Arbeiten übernehmen soll. Als neuen Fertigstellungszeitpunkt wird der 24. August angepeilt, der Tag, an dem die Sommerferien in Niedersachsen enden. Ob sich ein neues Bauunternehmen aber kurzfristig finden und der neue Zeitplan halten lässt, scheint aber auch für die Autobahn GmbH fraglich zu sein. "Das ist nicht ganz leicht", bestätigt Merl gegenüber LGheute. Man werde deshalb auf die Unternehmen zugehen, die sich bereits an der letzten Ausschreibung beteiligt haben.

Zu möglichen Mehrkosten, die durch die Bauverzögerung entstehen, wollte der Pressesprecher sich nicht äußern. Diese könnten ohnehin erst nach Beendigung der Arbeiten beziffert werden. Auch zu den Gründen, die zu der Verzögerung führten, wollte Merl sich vor dem Hintergrund möglicher rechtlicher Auseinandersetzungen nicht äußern.

◼︎ Bauunternehmen: "Nur fünf bis sechs Wochen Verlängerung geplant"

Dass der Vorgang vor Gericht landen wird, davon geht indes das Bauunternehmen Kalinowsky aus. "Das werden jetzt die Rechtsanwälte in die Hand nehmen", sagte Christine Eggers, Prokuristin des Bauunternehmens Kalinowski, auf LGheute-Nachfrage. Dabei dürfte die Dauer der Bauzeitverlängerung eine wichtige Rolle spielen, denn anders als die Autobahn GmbH spricht Eggers lediglich von fünf bis sechs Wochen Verlängerung, "das haben wir auch schriftlich erklärt".

Den von der Autobahn-Gesellschaft angebotenen Lösungsvorschlag hält die Kalinowsky-Prokuristin zudem für nicht umsetzbar: "Die haben sich Optimierungszeiten ausgedacht, die aber wegen der Lieferzeiten für das zusätzlich benötigte Material gar nicht machbar sind." Zusätzliches Material wiederum sei wegen Veränderungen in der Bauweise erforderlich geworden. 

Die Prokuristin zeigte sich von dem Vorgang hörbar angefasst. "So etwas hat es in unserer Firmengeschichte noch nie gegeben", sagte Eggers. Wie die Autobahn GmbH die Fertigstellung bis zum 24. August schaffen will, sei ihr ein Rätsel, schließlich seien Baufirmen gerade in der Sommerzeit in der Regel voll ausgelastet. 

 

Kommentare  

# Steve 2022-06-01 09:24
Unglaublicher Vorgang in dieser Zeit. Jeder weiss, dass es wegen der Krisen überall Lieferengpässe gibt. Eine neue Baufirma in kurzer Zeit zu finden, wird aussichtslos sein. Die Fertigstellung wird sich deutlich mehr als 6 oder 8 Wochen verzögern und das ganze wird jetzt deutlich teurer. Dazu kommen dann noch Schadensersatzz ahlungen usw. Der Steuerzahler freut sich. Was hat man dadurch gewonnen? :-*
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