Christina Fuchs und Stefan Buchholz sollen als Streetworker Lüneburgs Stadtbild erträglicher machen
Lüneburg, 05.11.2026 - Zugekiffte Drogen-Zombies, volltrunkene Penner, pöbelnde Asoziale – wer Lüneburgs Innenstadt aufsucht, kann auch in der beliebten Heidemetropole täglich das Elend gestrandeter Mitmenschen erfahren. Doch alle Versuche, die Ungebetenen aus dem Stadtbild zu entfernen, sie zumindest aber von den Touristen-Hotspots fernzuhalten, haben kaum gefruchtet, trotz verstärkten Personaleinsatzes und eines extra geschaffenen Aufenthalt-Quartiers. Weil alles Bisherige aber offenbar nicht fruchtete, sollen zwei neue Streetworker die Sache jetzt richten.
Christina Fuchs und Stefan Buchholz heißen die beiden neuen Streetworker, die Anfang November ihre Arbeit bei der Stadt aufgenommen haben. Sie knüpfen damit an die Straßensozialarbeit des Lebensraum Diakonie an, dessen Vertrag mit der Stadt zum 31. Oktober endete und nicht verlängert wurde.
Christina Fuchs war zwölf Jahre lang in Süddeutschland in der Straßensozialarbeit aktiv, auch Stefan Buchholz kommt aus der sozialen Arbeit. "Ich war unter anderem daran beteiligt, als das erste Streetwork-Konzept für Lüneburg aufgesetzt wurde. Ich kenne daher noch viele Menschen aus der Szene", erzählt Buchholz. Eine dritte Sozialarbeiterin soll das Team ab dem 1. Januar 2027 verstärken. Damit, so die Stadtverwaltung, könnten dann künftig 90 statt bisher 60 Stunden Straßensozialarbeit geleistet werden.
◼︎ "Herausfinden, welche individuellen Bedarfe die Menschen haben"
Christina Fuchs und Stefan Buchholz wollen zunächst vor allem den Kontakt zur Szene aufbauen. "Für uns ist wichtig zu erfahren, welche individuellen Bedarfe die Menschen haben", sagen die beiden Streetworker. Wirklich? Sollte man nicht erwarten dürfen, dass erfahrene Streetworker wissen, wie die Szene tickt? Dass es um den nächsten Schuss geht und die Geselligkeit unter Ihresgleichen und den freien Raum in einer freien Stadt, auch für Penner und Drogis? Wie das gelöst werden soll, dazu gab es kein Wort.
Beide Streetworker wollen sich jedenfalls zeitnah auch bei den Geschäftsleuten in der Innenstadt vorstellen und dort ihre Kontaktdaten hinterlassen. "Uns interessiert, welche Sorgen und vor allem Erwartungen es gibt", so Fuchs und Buchholz. Und auch hier stellt sich die Frage: Wissen sie nicht, dass Geschäftsleute ein Problem damit haben, wenn vor ihren Geschäften herumgelungert, gepennt und im Eingang manchmal auch gepinkelt und gekotet wird und die wertvolle Kundschaft dann doch lieber woanders einkauft?
◼︎ "Geeignete Hilfsmittel vermitteln"
Auf jeden Fall aber will die Stadtverwaltung "im Interesse der betroffenen Menschen" die bisherige enge Zusammenarbeit der Aufsuchenden Sozialarbeit mit dem Kommunalen Ordnungsdienst, der Polizei und Einrichtungen wie der Präventionsstelle Wohnraumsicherung, der Drogenberatungsstelle drobs oder der Sozialberatung fortsetzen. "Ziel ist es, Menschen in geeignete Hilfen zu vermitteln", sagt Barbara David – vorgetragen mit der zermürbenden Unverfänglichkeit, wie man sie von der "aufsuchenden Sozialarbeit", wie die Tätigkeit der Streetworker im Amtsdeutsch heißt, längst kennt. Denn offen bleibt in der Regel dies: Was passiert da eigentlich konkret und welche Erfolgsaussichten sind mit dem Personaleinsatz verbunden? Wird es für die Stadt irgendeinen erkennbaren Nutzen geben oder endet es, wie es häufig endet: Irgendwas wurde unternommen, nur um sagen zu können, etwas unternommen zu haben.
◼︎ Hoffnungsanker "Tagesaufenthalt"
Immerhin: Zum geplanten "Tagesaufenthalt", wie die Stadtverwaltung das Gebäude an der Schießgrabenstraße nennt, in dem sie die Ungebetenen am liebsten dauerhaft sehen möchte, werde es "einen direkten Draht geben". Das klingt zwar irgendwie nach einem Masterplan, doch mehr als die Möglichkeit, dass man untereinander auch mal telefonieren kann, ist damit erst einmal nicht verbunden. Hinzu kommt aber etwas Entscheidendes: Ob das von der Stadtverwaltung auserkorene Etablissement, das demnächst seine Tore für die Gestrauchelten öffnen soll, dann auch von der Szene angenommen wird, die bekanntlich viel lieber dort weilt, wo das Leben ist und die Touristen sind, steht auf einem anderen Blatt.
Christina Fuchs und Stefan Buchholz sind deshalb für ihre neue Aufgabe nicht zu beneiden. Denn sie sollen erledigen, was sich eine Verwaltung nicht anzufassen traut: Klare Regeln und Vorgaben, die diese Stadt wieder sicherer und lebenswerter machen. Da hilft es, den üppig ausstaffierten Knöllchen-Dienst für die Parksünder einfach mal dort einzusetzen, wo wirklich Not am Mann ist: bei der Pflege des Stadtbilds.

