Bund gibt grünes Licht für Pläne zum Neubau der Elbbrücke bei Lauenburg
Kiel, 22.10.2026 - Wo soll die künftige Elbquerung für den Straßenverkehr bei Lauenburg verlaufen, westlich oder östlich als Brücke oder gar irgendwo dazwischen als Tunnel? Um diese Frage geht es seit Monaten, nachdem feststand, dass die derzeitige Elbbrücke für den künftigen Autoverkehr nicht mehr genutzt werden kann. Heute gab es dazu nach behördlicher Empfehlung grünes Licht aus Berlin. Danach soll die neue Brücke östlich der bestehenden errichtet werden.
Die im Zuge der Ortsumgehung von Lauenburg-Ost geplante neue Elbbrücke zwischen Lauenburg und Hohnstorf wird östlich des bestehenden Bauwerks errichtet. Diese gemeinsame Entscheidung des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) sowie der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) wurde jetzt vom Bund akzeptiert und bestätigt. Das gaben heute Vertreter beider Behörden bei der mittlerweile 9. Informationsveranstaltung zu dem Großprojekt in Hohnstorf bekannt.
◼︎ Hitzler-Werft setzt sich durch
"Wir hatten es in dem langen Verfahren zum Schluss noch mit einer östlichen und einer westlichen Variante zu tun, die wir anhand von 148 Einzelkriterien gegeneinander abgewogen haben", erläutert Heike Nadolny, zuständige Expertin aus dem Verkehrsministerium Schleswig-Holstein, die Entscheidung. Am Ende seien durch die Öffentlichkeitsbeteiligung dann noch zwei zusätzliche Kriterien ins Spiel gekommen: die Verkehrsqualität der Strecke und mögliche Beeinträchtigungen für die im Baugebiet liegende Lauenburger Hitzler Werft. Nadolny: "Am Ende haben diese beiden Aspekte – gewissermaßen als Zünglein an der Waage – den Ausschlag zugunsten der Ost-Variante gegeben."
Nachdem in den letzten Jahren zunächst 28 Varianten der neuen Elbquerung in fünf verschiedenen Planungskorridoren auf dem Tisch gelegen hatten, kristallisierten sich im Herbst letzten Jahres die verbliebenen beiden Varianten in unmittelbarer Nähe der bestehenden Straßen-Eisenbahn-Brücke heraus. Die Kommunalpolitik in Lauenburg hatte bis zuletzt stark für die östliche Variante votiert, um die Existenz der Hitzler Werft nicht zu gefährden.
"In der Risikobetrachtung für die Werft wurde betrachtet, inwiefern die durch den Bau und den späteren Straßenverkehr ausgelösten Schwingungen den Schiffbaubetrieb behindern könnten und welche wirtschaftlichen Folgen dies für die Werft und die Region hätte", so Nadolny. Wie berichtet, hatte die Hitzler-Werft damit gedroht, die Werft zu schließen, sollte die künftige Brücke westlich der bestehenden Brücke und damit deutlich näher an der Werft gebaut werden.
◼︎ Provisorium vor mehr als 70 Jahren errichtet
Seit über 70 Jahren verbindet die Elbquerung bei Lauenburg die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein als kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke. Nach der Sprengung der Brücke durch die deutsche Wehrmacht im April 1945 wurde sie zunächst als Provisorium errichtet. Zu einem späteren Neubau als Ersatz des inzwischen bautechnisch stark angegriffenen Provisoriums ist es bis heute nicht gekommen.
Das bestehende Bauwerk, das als Eisenbahnbrücke auch künftig weiterbetrieben werden soll, befindet sich im Eigentum der Deutschen Bahn. Im Zuge einer Bauwerksprüfung waren bereits vor Jahren Mängel an der Brücke festgestellt worden. Um auch künftig die Verfügbarkeit der Infrastruktur gewährleisten zu können, planen die Länder im Auftrag des Bundes ein Ersatzbauwerk für die Straßenverbindung. Aufgrund der räumlichen Nähe wurden der Neubau der Elbquerung und die Ortsumgehung Ost im Zuge der B209 und die Ortsumgehung Nord im Zuge der B5 in Lauenburg gemeinsam betrachtet. Geprüft wurden sowohl Trassenverläufe in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Bauwerk als auch weitere Varianten wie Elbquerungen westlich und östlich von Lauenburg beziehungsweise Hohnstorf.
◼︎ Dazu bisher auf LGheute:
- 02.10.2025: Lauenburg bekommt noch eine Elbbrücke
- 15.11.2023: Welcher Verkehr ist zu erwarten?
- 19.11.2021: Neue Elbbrücke frühestens in zehn Jahren fertig

