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Safety first?

17.08.2026 - Dass massenhaft Personen, die zu Fuß die Dömitzer Elbbrücke passiert haben, in die Elbe gestürzt sind, weil das Geländer der Brücke nicht hoch genug war, das war bislang noch in keinem Polizeibericht zu lesen. Doch was nicht geschehen ist, hätte ja geschehen können. Dieser Logik folgend werden nicht nur an der Dömitzer Elbbrücke, sondern vielerorts im Land Arbeiten durchgeführt, die als ein Mehr an Sicherheit verkauft werden, bei kritischer Betrachtung aber überflüssig sind. Doch sie folgen einem Prinzip, dem sich keine Behörde entziehen kann.

Wer ist verantwortlich, oder besser: Werden wir verantwortlich gemacht? Das ist die Kernfrage, die hinter jeder Maßnahme steht, die in Behörden landauf, landab jeden Tag ansteht, weil Kommunen und damit ihre Behörden für die Sicherheit im öffentlichen Raum zuständig sind. Deshalb wird mit Argusaugen darauf geschaut, nur nicht in den Verdacht einer auch noch so belanglosen Nichtbeachtung von Vorschriften zu geraten.

Die Erneuerung des Geländers der Dömitzer Elbbrücke passt perfekt in dieses Schema aus behördlicher Verantwortung und Verantwortungsvermeidung. Lieber werden 780.000 Euro für ein zwanzig Zentimeter höheres Brückengeländer ausgegeben als es in seinem bisherigen Zustand zu belassen, weil es damit noch nie Probleme gegeben hat. Ein solches Denken ist Behörden wesensfremd, schließlich ist ja nicht ihr Geld, das sie wie in diesem Fall ohne zwingenden Grund ausgeben. Es gibt ja Vorschriften.

Einen Haken hat die Sache dennoch. Wer die Logik des Behörden-Denkens zu Ende denkt, düfte an der Erhöhung des Geländers auf 130 Zentimeter eigentlich nicht Halt machen. Was, wenn ein stattlicher Zwei-Meter-Mann nächtes die Brücke quert, dabei den Halt verliert und kopfüber in die Elbe stürzt, nur weil das Geländer nicht 140, sondern nur 130 Zentimeter hoch war? Wer trägt die Verantwortung?

In solchen Fällen wird gern mit der Ermessensfrage argumentiert. Dagegen spricht nichts, nur: Wieviel Vorkehrungen und damit Einschränkungen und vor allem Kosten sind angemessen, um einen Schaden abzuwenden, der bislang nie eingetreten ist? Sicherheit kennt bekanntlich nach oben keine Grenzen. Diese nach oben offene Absicherungs-Skala aber kann nicht das Maß aller Dinge sein. Wer ihr dennoch weiter folgt, treibt nicht nur die Kosten in ungeahnte Höhen, er wird auch an gesellschaftlicher Akzeptanz scheitern.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Bauarbeiten an der Dömitzer Elbbrücke"

 

 

 

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