VCD will mit neuem Sanierungskonzept die Belastungen für Bahnfahrer verringern
Berlin, 24.10.2026 - Augen zu und durch – so etwa lautet die Devise, nach der die Bahn derzeit ihre Großoffensive zur Sanierung maroder Bahnstrecken durchführt. Die Idee dahinter: Lieber eine Komplettsperrung der jeweiligen Strecke für einen begrenzten Zeitraum statt ewiger Teilsanierungen, die sich über Jahre hinziehen. Doch das Konzept hält der Realität nicht stand, denn die Sperrungen dauern entweder länger als geplant oder das Arbeitspensum wird nicht geschafft mit der Folge, dass erneut gesperrt werden muss – zum Ärger der Bahnfahrer. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) will das nicht länger hinnehmen.
Das Konzept der Vollsperrungen muss auf den Prüfstand, fordert der VCD. "Fahrgäste leiden unter monatelangen Sperrungen, und danach funktioniert trotzdem noch nicht alles", kritisiert der Bundesvorsitzende Matthias Kurzeck. Seiner Ansicht nach, dürfen Vollsperrungen nur "das letzte Mittel" sein und nicht länger als vier Wochen dauern. Mehr sei den Fahrgästen nicht zuzumuten.
◼︎ Statt Vollsperrungen nur eingleisige Sperrungen
Der VCD schlägt deshalb ein Konzept vor, das eine gebündelte Sanierung bei weitgehend nur eingleisigen Sperrungen vorsieht. Denn laut Kurzeck erfordern nur bestimmte Arbeiten eine Vollsperrung für begrenzte Zeit. Diese lließen sich am Anfang und am Ende der Sanierung bündeln – "dann reicht es, die Strecke zweimal für maximal vier Wochen zu sperren", so der VCD-Chef. Endlose Sperrzeiten wie bei der Sanierung Berlin - Hamburg seien überflüssig.
Für die Zeit dazwischen müssten stellenweise Provisorien gebaut werden, heißt es in dem Kontept. Das erhöhe zwar den Planungsaufwand und damit die Kosten, die Gesamtsanierung müsse deshalb aber kaum länger dauern als bei durchgehenden Vollsperrungen. Kurzeck: "Einen gewissen Mehraufwand müssen Fahrgäste und Güterverkehr dem Bund als Geldgeber wert sein."
◼︎ Positiv-Beispiel Hamburg - Hannover
Der VCD weist hierfür auf erste Erfahrungen hin: Beim Streckenausbau Hamburg - Hannover war die Hälfte der Strecke nur die halbe Zeit über voll gesperrt. In der übrigen Zeit musste der Schienenersatzverkehr statt einhundert Kilometer nur 55 Kilometer überbrücken. Für die Fahrgäste bedeutete das kürzere Reisezeiten und weniger Unannehmlichkeiten. Ein weiterer Vorteil aus Sicht des VCD: Damit könne auch verhindert werden, dass Kunden dauerhaft von der Bahn aufs Auto umsteigen.
Vom Bundesverkehrsministerium fordert der VCD, eine Gesetzesänderung auf den Weg zu bringen, um die Vorgabe der langen Vollsperrungen bei der Korridorsanierung aus dem Bundesschienenwege-Ausbaugesetz zu streichen. Weil aber auch der VCD ahnt, dass daraus so schnell wohl nichts wird, rät er zu einem anderen Verfahren: Bis dahin sollten Abweichungen von der gesetzlichen Vorgabe immer genehmigt werden – was das Gesetz bereits jetzt zulasse.

