SPD spricht sich für Kauf von knapp 1.000 Vonovia-Wohnungen in Lüneburg aus
Lüneburg, 02.09.2026 - Wird Kaltenmoor doch noch zu einem wohnbaren Stadtteil Lüneburgs? Diese Frage steht im Raum, seit bekannt wurde, dass Vonovia rund 1.000 ihrer Lüneburger Wohnungen verkaufen will, den Großteil davon im Problem-Stadtteil Kaltenmoor. Potentieller Käufer soll der Londoner Investor "Tristan Capital Partners" sein. Die Lüneburger SPD verfolgt indes andere Ziele und will, dass die Stadt Lüneburg von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch macht. Vor allem um dieses Thema ging es am Montag beim "Zukunftsforum Wohnen", zu dem die SPD eingeladen hatte. Ein weiteres Thema in der Runde: die Erbbauzinsen.
"Die großen Chancen einer Kommunalisierung liegen darin, die Wohnungen zu erwerben, zu modernisieren und dauerhaft in Sozialwohnungen umzuwandeln. Wenn uns das gelingt, wäre das ein großer Schritt zur Ausweitung des preisgebundenen und bezahlbaren Wohnraums. Mehr als 2.000 Menschen mit vergleichsweise geringem Einkommen würden davon profitieren. Als Oberbürgermeisterin will ich mich daher für das Vorkaufsrecht der Stadt stark machen", begründete die SPD-Oberbürgermeister-Kandidatin Andrea Schröder-Ehlers, warum sie sich für den Kauf der Wohnungen durch die Stadt stark macht.
Anlass für diesen Schritt ist die Absicht des Immobilien-Konzerns Vonovia, 972 Wohnungen an den Londoner Investor "Tristan Capital Partners" zu verkaufen, worüber die Stadtverwaltung in der jüngsten Ratssitzung informierte. So sollen rund 700 Wohnungen in Kaltenmoor, 200 Wohnungen in Neu Hagen und 72 Einheiten in der Weststadt veräußert werden. Mitbeteiligt daran soll laut einem Bericht eines Immobilien-Fachblatts auch die Lüneburger Immobilien-Gruppe Porth sein, zuständig für die Entwicklung der Wohnungen.
◼︎ Hannover als Vorbild
Die Lüneburger SPD hat schon länger den Erwerb der Wohnungen durch die Stadt im Blick, sieht sich damit aber Widerständen im Rat gegenüber. Vor allem die Finanzierung eines solchen Kaufs und der damit verbundenen notwendigen Modernisierung der Wohnungen löste kontroverse Debatten im Rat der Stadt aus. Denn unklar ist, wie die hochverschuldete Stadt die im Raum stehende Summe von 55 Millionen Euro, die Tristan Capital angeblich mit Vonovia ausgehandelt haben soll, finanzieren soll, die Sanierungskosten noch nicht einmal eingerechnet.
Für ihre Sicht der Dinge holte sich die SPD gestern Verstärkung aus Hannover nach Lüneburg. So zeigte Thomas Hermann, Aufsichtsratsvorsitzender der hannoverschen Wohnungsgesellschaft hanova, auf, welche Vorteile eine Kommunalisierung von Vonovia-Wohnungen bringen könnte. In einem groß angelegten Kommunalisierungsprojekt in Hannover Mühlenberg habe die Landeshauptstadt Erfahrungen mit dem Kauf von Vonovia-Objekten sammeln können. Nicht nur dauerhaft gesicherte Sozialwohnungen, sondern auch eine Aufwertung des Wohnumfeldes habe so laut Hermann möglich gemacht werden können. Sein Fazit: "Es lohnt sich, auch wenn es am Anfang ein Kraftakt für alle Beteiligten ist und viel Geld kostet. Die sozialen Folgekosten für die Gesellschaft minimieren sich dadurch erheblich."
Die besondere Situation Lüneburgs aber konnte auch Schröder-Ehlers nicht ausblenden. "Wohnen ist die entscheidende soziale Frage unserer Zeit. Bei uns in Lüneburg haben wir in diesem Bereich eine besondere Schieflage. Die Attraktivität unserer Stadt kann nicht hoch genug bewertet werden – bringt allerdings auch Probleme wie die extrem hohen Mieten mit sich. Niedersachsenweit belegen wir hier einen Spitzenwert."
◼︎ Land muss bei Kauf mitziehen
Von dem möglichen Einstieg von Tristan Capital hält die SPD-Politikerin gleichwohl nicht allzu viel. Zwar hätten die in Aussicht gestellten Kaufabsichten des Investors nun nochmal Bewegung in den Umgang mit den Vonovia-Wohnungen in Kaltenmoor gebracht, "ob Tristan Capital aber der richtige Investor für die Objekte ist, daran habe ich aufgrund des spekulativen Vorgehens bei Projekten in anderen Städten gehörige Zweifel", so Schröder-Ehlers.
Zugleich machte Schröder-Ehlers deutlich, dass die Nutzung des Vorkaufsrechts und damit eine Kommunalisierung der Vonovia-Wohnungen nur dann umgesetzt werden sollte, wenn die finanziellen Voraussetzungen dafür gegeben seien. Zunächst müssten die tatsächlichen Kosten durch ein Ertragswert- und Sanierungsgutachten ermittelt werden. Darüber hinaus sei zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen die Fördermittel des Landes Niedersachsen ausreichen, um die erforderliche Modernisierung der Immobilien zu finanzieren. Vielleicht, so Schröder-Ehlers, sei es dafür erforderlich, "dass noch an einigen politischen Stellschrauben gedreht werden muss".
◼︎ Auch Klosterkammer soll Pachtzins senken
Der zweite thematische Block des Abends war der Erbbauzins. Stefan Politze, der Fraktionsvorsitzende der SPD im niedersächsischen Landtag, sowie Annegret Kühne von der Lüneburger Initiative "Bezahlbarer Wohnraum im Erbbau" führten ins Thema ein. Allgemeiner Tenor: Auch die Klosterkammer – einer der größten Erbpachtgeber in der Hansestadt – müsse ihre Erbpachtzinsen endlich deutlich reduzieren. Der Verweis auf den gerade beschlossenen Lüneburger Weg – wie berichtet wurde der Erbpachtzins bei den Grundstücken der städtischen Stiftungen von 4 Prozent auf 1,5 Prozent gesenkt – wurde Stefan Politze aus der Versammlung als Vorbild für die Klosterkammer mit auf den Weg nach Hannover gegeben.

