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Endlich wieder Grün

Claudia Kalisch präsentiert sich nach geglücktem Wahlkampf wieder als Politikerin der Grünen

Claudia Klisch in ihrer Lieblingsfarbe. Foto: privatLüneburg, 28.09.2026 - Sie sei eine Oberbürgermeisterin aller Lüneburger, das bekräftigte Claudia Kalisch im gestern zu Ende gegangenen Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Lüneburg immer wieder. Sie sah sich zu dieser Klarstellung veranlasst, nachdem die Grünen-Politikern im OB-Wahlkampf als sogenannter Einzelwahlvorschlag angetreten war und nicht unter der grünen Fahne ihrer Partei. Seit gestern ist damit wieder Schluss.

Ganz in Grün, so präsentierte sich Wahlsiegerin Kalisch gestern Abend im komplett grün ausgeleuchteten Uni-Café "Klippo" ihren jubelnden Fans und Parteifreunden. Mit einem Vorsprung von nur knapp sechs Prozent gegen Herausforderer Heiko Meyer hatte die Amtsinhaberin sich ihre Wiederwahl und damit acht weitere Jahre als Oberbürgermeisterin von Lüneburg gesichert. 

Dass es knapp werden würde, schwante auch Kalisch, die sich in den zurückliegenden Jahren als Rathauschefin nicht nur Freunde in Lüneburg gemacht hatte. Insbesondere ihre Verkehrs-Poltik stand immer wieder in der Kritik, zu viel Rücksicht auf die Radfahrer-Lobby, zu wenig Verständnis für Autofahrer und die Interessen der Wirtschaft und des Einzelhandels. Weil ihr das im Wahlkampf richtig Ärger hätte einbringen können, entschied sie sich für einen Trick: Sie kandidierte als Einzelwahrvorschlag, was bedeutet, dass sie sich nicht von ihrer Partei, den Grünen, hat aufstellen lassen sondern als Privatperson. Ihre Botschaft: Sie sei Oberbürgermeisterin aller Lüneburger.  

Das ist genauso richtig wie es falsch ist. Denn natürlich repräsentiert Kalisch als Oberbürgermeisterin immer sämtliche Bürger der Stadt, dazu ist jeder, der das Amt innehat, verpflichtet. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch Politik für alle Lüneburger macht. Ihre zurückliegenden fünf Amtsjahre haben das wiederholt gezeigt.

Seit gestern Abend jedenfalls ist nun augenfällig Schluss mit der vermeintlichen Neutralität und Bürgernähe. Wenige Minuten nach ihrer Wiederwahl ließ Kalisch bildlich die Hosen runter und zeigte sich ganz in Grün. Die Botschaft: Ich habe die Wahl gewonnen, nun bin ich wieder die, die ich immer schon war.

◼︎ Treue Wählerschaft

Dass sie die Wahl gewonnen hat, dürfte mit der besonderen Situation von Lüneburg zu tun haben. In der Uni-Stadt wohnen zahlreiche Studenten, die bekanntermaßen vornehmlich Links-Grün wählen. Aber Lüneburg ist auch eine Verwaltungsstadt. Hier sind nicht nur zahlreiche Gerichte mit Staatsanwaltschaft angesiedelt, hier ist auch das Behördenzentrum mit tausenden Mitarbeitern. Sie alle arbeiten in gesicherten und Konjunktur-unabhängigen Jobs, die schnell dazu verleiten, das Leben nur noch durch die grüne Brille zu sehen. Das nächste Gehalt kommt schließlich garantiert. 

Und: Die Wahlbeteiligung von nur 52,6 Prozent bei der Stichwahl zeigt, dass viele angesichts der beiden zur Wahl angetretenen Kandidaten sich den Weg ins Wahllokal gespart haben, nach dem Motto: Es ist egal, ob im Rathaus eine Grüne regiert oder ein Kandidat, der noch nie eine Verwaltung geführt hat. Und so konnten sich dann diejenigen durchsetzen, die durchaus ein Interesse daran haben, dass die Grüne Welle in Lüneburg nicht so schnell zu Ende geht.

Daran dürfte sich auch absehbar nicht viel ändern. Denn dass Politiker entgegen ihrer vollmundigen Versprechen von Entbürokratisierung und Personalabbau den Verwaltungs-Charakter der Stadt so schnell nicht ändern – eher das Gegenteil dürfte der Fall sein –, wird in Lüneburg vorerst alles so bleiben wie es war. Erst, wenn weitere Unternehmen abwandern und die Arbeitslosigkeit steigt, könnte es selbst für eine Verwaltungsstadt kritisch werden.

 

 

Kommentare  
Wenn ein prominenter CDU Politiker wie Ole Beust ihr hilft und die SPD keine Wahlempfehlung für Meyer aussprechen will, dann muß man sich nicht wundern.
Weitere 8 Jahre barrierefreie Stadt für Fahrradfahrer. Die anderen Bürger sind halt nicht "sichtbar" für die Grünen, um mal im einschlägigen Jargon zu bleiben
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