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Ziemlich selbstgerecht

04.01.2025 - Es gibt wohl nur Wenige, denen bekannt ist, in welchen Fächern Abiturienten heute ihre Prüfung ablegen müssen. Während Mitte des letzten Jahrhunderts noch vorgegeben war, worin geprüft wurde, darf heute jeder Prüfling seine Fächer nach eigenem Gusto zusammenstellen. Der Wechsel vollzog sich in den Siebziger-Jahren, als Bildungspolitik nicht mehr Wissensvermittlung, sondern Ausdruck der Kulturrevolution wurde. Entsprechend hoffnungslos fallen regelmäßig die Ergebnisse aus: Seit Jahren stürzt Deutschland beim Bildungsniveau seiner Schüler im internationalen Vergleich ab. Daran wird sich wohl so schnell auch nichts ändern, wie jetzt die CDU offenbart.

Für die Lüneburger CDU-Landtagsabgerordnete Anna Bauseneick ist es schier unvorstellbar, dass ein Abitur ohne das Fach Politik möglich ist. Politik als Wahlfach, wie es ein Konzept der Grünen Kultusministerin vorsieht, ist für sie und ihre Landtagsfraktion unvorstellbar. 

Beide, die CDU-Landtagsabgeordnete ebenso wie die Grüne Kultusministerin, offenbaren damit ihren untrüglichen Instinkt für politische Fehlentscheidungen. Während man der Grünen Ministerin, die auch schon mal auf den Namen Willie hört, nicht einmal Boshaftigkeit unterstellen kann, weil es in den Genen ihrer Partei liegt, sich grundsätzlich bürgerlichen Bildungsformen zu widersetzen, auch wenn diese in der Vergangenheit noch so erfolgreich waren, ist es mit Frau Bauseneick anders.

Die Lüneburger CDU-Hoffnungsdame glaubt allen Ernstes, ein respektables Abitur sei nur möglich, wenn auch Politik als Abi-Fach berücksichtigt wird. So viel Vermessenheit war selbst den Grünen bislang nicht zuschreibbar. Bauseneick bleibt zudem die Antwort schuldig, warum ihre Forderung eine Antwort auf die niedersächsische Bildungsmisere sein könnte. Weil Kenntnisse über die Niederungen politischer Intrigen und Machenschaften zu mehr Wachstum und Wohlstand führen?

Bauseneicks Antwort lautet: für die Demokratiebildung! Deshalb dürfe "das Herz unserer Gesellschaft kein Wahlfach sein". Dass sie damit die Politik auf ein Niveau hebt, das vor allem ihr als Politikerin zugute kommt, ist das eine. Dass sie aber gleichzeitig der Politisierung der Schulen weiter Tür und Tor öffnet, als es ihnen jetzt schon guttut, ist entweder Absicht oder Unkenntnis. Beides wäre schädlich.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Mehr Latein und Politik"

 

 

 

Kommentare  
Mal unbeschadet der Frage, welche Fächer abiturrelevant sein sollten:
Es wird immer von Bildung gesprochen, wo Wissensvermittlung beschrieben oder verlangt wird.
Einfach mal bei Humboldt nachlesen.
Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen beidem.
In Deutschland hat es noch nie Bildungsvermittlung gegeben
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