Mehr als 50.000 mal lösten die Blitzer im Landkreis aus

Bei Autofahrern nicht besonders beliebt: die mobilen Blitzer gegen Temposünder. Foto: LGheuteLüneburg, 16.01.2023 - Sie stehen da, wo viel passiert, sagt der Landkreis. Sie stehen da, wo viel kassiert werden kann, heißt es häufig bei den Autofahrern. Wie auch immer: Die sieben festen und vier mobilen Geschwindigkeitsmessgeräte des Landkreises Lüneburg haben im vergangenen Jahr wieder reichlich Temposünder erwischt. 56.832 Mal lösten die Blitzegeräte aus, 5.460 weniger als im Jahr 2021. Die Einnahmen sind trotzdem kräftig gestiegen.

Was auf den ersten Blick viel klingt, entpuppt sich bei genauem Hinsehen jedoch als kaum wahnehmbar. Denn die meisten Autofahrer hielten sich auch 2022 an die vorgeschriebenen Limits. Immerhin passierten fast 25,5 Millionen Autos die Messstellen, da fallen die Geblitzten mit 0,002 Prozent kaum ins Gewicht. 

"Die meisten Autofahrerinnen und Autofahrer fahren vorschriftsmäßig. Trotzdem haben wir Unfallschwerpunkte im Landkreis, die wir mit unseren Kontrollen entschärfen", erklärt Sven Bretthauer, Fachdienstleiter Straßenverkehr beim Landkreis Lüneburg. Bekannt ist aber auch, dass viele Autofahrer die Standorte der Blitzer genau kennen und ihre Geschwindigkeit kurz vor Erreichen der Geräte drosseln.

◼︎ Elf Blitzer im Einsatz

Im Landkreis gibt es aktuell elf Messgeräte. Sieben von ihnen sind fest installiert, davon stehen vier an der Bundesstraße 209 und drei an der Lüneburger Ostumgehung. Außerdem an verschiedenen Orten im Einsatz: vier mobile Blitzer – die drei Blitzanhänger, die als graue Kästen am Straßenrand bekannt sind, und ein mobiles Messgerät, das von einem Stativ am Fahrbahnrand aus die Geschwindigkeiten kontrolliert.

"Wir messen die Geschwindigkeit an Orten, wo die Polizei oder auch die Gemeinden ein hohes Risiko sehen, zum Beispiel vor Altenheimen, Kitas und Schulen, und an Strecken, die bekanntermaßen zu einem überhöhten Tempo reizen“, erläutert Sven Bretthauer. „Wir besprechen uns vorher mit Verkehrsexperten der Polizei und der Gemeinden ab. Denn: Es geht um die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger.“ 

◼︎ 4,1 Millionen Euro Einnahmen in 2022 

Für das Jahr 2022 stellte der Landkreis Bescheide in Höhe von gut 4,1 Millionen Euro aus, 2021 waren es rund 2,8 Millionen Euro. Den kräftigen Anstieg erläutert die Kreisverwaltung damit, dass nicht intensiver geblitzt wurde, sondern weil der neue Bußgeldkatalog des Bundesverkehrsministeriums griff. Einzeln aufgeschlüsselt werden die Verwarn- und Bußgelder nicht, die der Landkreis aufgrund zu hoher Geschwindigkeit verhängt. Zu den Verkehrsdelikten, die in die Kasse einzahlen, gehören auch Falschparken, Handytelefonate am Steuer oder ein zu geringer Abstand zum vorherfahrenden Auto. 

Die Einnahmen gehen in den Landkreis-Etat. Zwar müssen daraus auch die Geräte, ihre Wartung und das Personal bezahlt werden, doch die Sachkosten und Gehälter dürften nicht so hoch sein, dass nicht noch reichlich übrig bleibt. So dürfen sich die Bußgeldzahler immerhin darüber freuen, dass sie einen besonderen Beitrag zur Entschuldung des Landkreises leisten. 

◼︎ Hohe volkswirtschaftliche Kosten

Der Landkreis macht aber auch eine andere Rechnung auf. So verursacht jedes Verkehrsopfer, das getötet wird, allein auf der Zahlenebene volkswirtschaftliche Kosten von mehr als 1,2 Millionen Euro, das habe die Bundesanstalt für Straßenwesen für das Jahr 2020 errechnet. Dazu kommen verletzte Personen, verletzte und getötete Tiere, höhere Emissionen und Umweltschäden.

Verkehrsüberwachung sei immer Unfallprävention, so der Landkreis, auch wenn nicht auswertet werden könne, wie viele Schäden durch Geschwindigkeitskontrollen verhindert werden konnten. "Aber eines ist wohl unstrittig: Jeder Unfall, der nicht passiert, ist gut. Durch die Verkehrsüberwachung verhinderte Unfälle tragen nicht nur dazu bei, dass volkswirtschaftliche Kosten, sondern auch persönliches Leid vermieden wird", so Sven Bretthauer.