Berlin scheint vermehrt auf Neubaustrecke entlang der A7 zu setzen

Zwischen Uelzen und Lüneburg wird wohl auch künftig nur zweigleisig gefahren. Foto: LGheuteLüneburg, 28.05.2022 - Ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen wird es allem Anschein nach wohl nicht geben. Darauf deuten Informationen hin, die kürzlich aus Berlin in die Region geschickt wurden. Danach scheint eine Bahn-Neubautrasse zwischen Hamburg und Hannover parallel zur A7 immer wahrscheinlicher. Während dies bei benachbarten Landkreisen zu Missmut führt, gibt es Zustimmung aus Lüneburg.

"Was sich in den letzten Informationsveranstaltungen der Deutschen Bahn seit Längerem abzeichnete, wurde nun durch das Bundesverkehrsministerium bestätigt", sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers aus Lüneburg. Sie reagiert damit auf eine Antwort des Ministeriums auf ein gemeinsames Schreiben der fünf Landkreise Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Heidekreis, Celle und Rotenburg/Wümme, in dem diese die Umsetzung der sogenannten "Alpha-E"-Variante gefordert hatten.

Auf diese Variante hatte sich 2015 das "Dialogforum Schiene-Nord" verständigt, ein loser Zusammenschluss von Kommunen, die eine Neubautrasse durch ihr Gebiet zu verhindern suchen und sich deshalb für den Ausbau der Bestandsstrecke Hamburg - Hannover aussprechen. Seitdem pochen sie auch mit Unterstützung des niedersächsischen Verkehrsministers Bernd Althusmann auf die Einhaltung dieser Forderung. Stadt und Landkreis Lüneburg hatten sich dieser Forderung nicht angeschlossen, sie schlagen gemeinsam mit der Stadt Hamburg eine Neubautrasse entlang der A7 vor.  

◼︎ Schröder-Ehlers: Bestandsstrecken-Ausbau erfüllt Anforderungen nicht

Dem schließt sich nun auch Andrea Schröder-Ehlers an. Ihre Überlegung: Die Anforderungen an eine Lösung, die gleichzeitig den Ansprüchen an den Güterverkehr und an den Deutschlandtakt für den Fernverkehr genügt und dabei noch die nötigen Reserven für dringend benötigte zusätzliche Nahverkehrszüge aufweist, können nicht durch einen Bestandsstrecken-Ausbau zwischen Lüneburg, Uelzen und Celle erfüllt werden.

Die Vorteile einer Neubaustrecke entlang der A7 seien "erneut sehr deutlich geworden", teilte Schröder-Ehlers jetzt mit. Auch sei diese Variante im Vergleich zu den anderen günstiger, besser umzusetzen und deutschlandtakt-konform."

◼︎ Landkreise reagieren enttäuscht 

In diesem Sinne wird vermutlich auch die Antwort aus dem Verkehrsministerium an die fünf Landkreise ausgefallen sein. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landkreises Uelzen vom 23. Mai hervor, in der es heißt: "Die Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium ist enttäuschend: Der Bestandsausbau der Bahnstrecke Hamburg-Hannover wird offensichtlich nicht mehr weiterverfolgt. Alle in der Antwort genannten Alternativen laufen auf Neubaustrecken hinaus." 

Entsprechend enttäuscht zeigte sich Uelzens Landrat Heiko Blume. In einer ersten Reaktion sagte er: "Das führt zu Frust bei den Bürgerinitiativen und Menschen vor Ort, die sich im Dialogforum engagiert und auf die Umsetzung des Ergebnisses vertrauen durften."

◼︎ Gegen weiteres "Hindurchwursteln"

Schröder-Ehlers, die sich anfangs selbst noch für Alpha-E eingesetzt hatte, hält wiederum ein "Festhalten an der Wunschvorstellung von 2015" jetzt für nicht mehr mit den aktuellen planerischen Erkenntnissen vereinbar. Vielmehr brauche es eine Verkehrswende, die deutlich mehr Güter- und Personenverkehr auf die Schiene bringt. "Ein Hindurchwursteln bis zum nächsten Bundesverkehrswegeplan hilft langfristig nicht weiter. Wenn wir die Verkehrswende ernst nehmen, müssen wir auch in der Lage sein zuzugeben, dass wir mit dem Bestandsstreckenausbau allein hier nicht weiterkommen."

Gänzlich verabschieden will sich die SPD-Politikerin von einem Ausbau der Bestandsstrecke aber nicht. Allerdings sieht sie dies nur für den Abschnitt Hamburg - Lüneburg. Schröder-Ehlers: "Wir wollen mehr Attraktivität der Bahnen durch bessere Pünktlichkeit und häufiger fahrende Züge bei gleichzeitig weniger Lärm für die Anwohner. Deswegen fordern wir auch die Ertüchtigung der Bestandsstrecke zwischen Hamburg und Lüneburg, die Tag für Tag von tausenden Pendlerinnen und Pendlern genutzt wird."