Krankenkasse führt Rückgang auf Maßnahmen zur Corona-Eindämmung zurück

Hamburg/Lüneburg, 03.06.2021 - Bei allen Nachteilen, die Corona gerade für die Jüngeren mit sich gebracht hat, die Pandemie hat auch Positives bewirkt. So hat sich die Anzahl der Windpocken in Niedersachsen im vergangenen Jahr halbiert. Waren es 2019 noch 1.476 Fälle, wurden 2020 in Niedersachsen 741 Fälle von der meldepflichtigen Krankheit gezählt. Noch deutlicher war der Rückgang im Landkreis Lüneburg.

Der Rückgang im Landkreis Lüneburg lag im vergangenen Jahr sogar bei fast 70 Prozent. "Von Januar bis Dezember 2020 wurden aus dem Landkreis acht Erkrankungen mit Windpocken an das RKI gemeldet", berichtet Markus Schrader, Regionalgeschäftsführer der Krankenkasse IKK classic, mit Blick auf die Zahlen. Im Jahr zuvor waren es 18 Meldungen mehr – insgesamt 26 Infektionen.

Der Trend setze sich bisher auch im Jahr 2021 fort. Bis Ende Mai meldete der Landkreis Lüneburg nur zwei Fälle mit diagnostizierten Windpocken. Als Ursache für den starken Rückgang vermutet die IKK classic die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die IKK bezieht sich dabei auf eine bundesweite Erhebung des Robert-Koch-Instituts. Danach ist die Zahl bundesweit um 50 Prozent gesunken, von 22.681 Meldungen im Jahr 2019 auf 11.330 im Jahr 2020. Die Krankenkasse hat das Infektionsgeschehen in Niedersachsen analysiert.

Impfung bietet Schutz vor Kinderkrankheit mit lebenslangen Folgen

Windpocken sind nach Angaben der Krankenkasse eine hoch ansteckende Infektion mit Varizella-Zoster-Viren, die einen juckenden Hautausschlag mit Bläschen hervorruft. Sie zählt zu den Kinderkrankheiten, kann aber in jedem Alter auftreten. Meistens heilt die Erkrankung problemlos aus und danach ist man lebenslang immun gegen den Erreger. Dieser bleibt aber im Körper und kann später wieder aktiv werden – der Betroffene erkrankt dann an Gürtelrose. Übertragen wird das Virus durch Tröpfcheninfektionen, beispielsweise beim Niesen oder Husten. Krankheitserreger können aber auch über eine Schmierinfektion verbreitet werden, da beim Platzen der Bläschen eine virale Flüssigkeit austritt, die besonders ansteckend ist.

"Seit 2004 wird von der ständigen Impfkommission des RKI eine Impfung gegen Windpocken empfohlen", berichtet Markus Schrader. Die IKK classic rät allen Eltern, sich beim Kinderarzt über den wichtigen Schutz für ihre Kinder zu informieren. Für einen wirksamen Schutz sind zwei Impfungen notwendig. Die erste Impfung sollte im Alter von elf bis 14 Monaten, zum Beispiel im Zuge der Früherkennungsuntersuchung U6 erfolgen, die zweite dann mit 15 bis 23 Monaten. Die Impfungen können aber auch nachgeholt werden, wenn sie nicht im empfohlenen Alter durchgeführt wurden.