Genehmigungen zur Grundwasser-Entnahme sollen auf neuer Datenbasis beruhen 

Lüneburg, 21.07.2021 - Auf das kostbare Lüneburger Grundwasser greifen viele zu: Mineralwasser-Produzenten, Landwirte für Feldberegnung, Industrie-Unternehmen für ihren Kühlwasser-Bedarf – und die Lüneburger, für ihren Morgenkaffee und ihre WC-Spülung. Auf den Landkreis Lüneburg kommen in Kürze mehrere Anträge auf Grundwasserentnahme durch die Erstgenannten zu. Das sorgte dort für Nachdenken und Gespräche mit dem Umweltministerium in Hannover.

Die Verwaltung benötige für die jeweiligen Entscheidungen eine aktuelle Datengrundlage, das habe sie gegenüber dem Land Niedersachsen mehrfach deutlich gemacht, heißt es in einer Mitteilung aus dem Kreishaus. Nun sei Bewegung in die Sache gekommen: In einem vom Landkreis angeregten Gespräch hätten das Niedersächsische Umweltministerium und der gewässerkundliche Landesdienst gegenüber Kreisvertretern angekündigt, vor dem Hintergrund des Klimawandels stärker in Richtung Zukunft zu schauen und neue Datengrundlagen zur Verfügung zu stellen.

Im Kern geht es laut Landkreis um den sogenannten Grundwasserbewirtschaftungserlass. Er biete eine Orientierung zu der Frage, welche Mengen für eine Entnahme aus einem Grundwasserkörper zur Verfügung stehen. Entscheidend für diese Angabe sei die Grundwasserneubildung. Doch genau dieser Wert beziehungsweise dessen Berechnungsgrundlage sorgt nicht zuletzt angesichts der trockenen Sommer der vergangenen drei Jahre für viel Kritik: Denn verwendet werden Klimadaten aus einer Zeitreihe von 1961 bis 1990. Der Landkreis hält das für problematisch, diese Botschaft schickte der Kreistag auch in Form einer Resolution Richtung Hannover.

Jetzt fand zu dem Thema zusätzlich ein Gespräch mit dem Niedersächsischen Umweltministerium statt, in dem der Landkreis seine Forderungen nach einer aktuellen Datenbasis bekräftigte. Und er erhielt neueste Informationen: Wenn das Land Niedersachsen Ende 2022 den Grundwasserbewirtschaftungserlass überarbeitet, verwenden die Experten eine Prognose auf Basis anerkannter Klimaszenarien, konkret den Zeitraum 2021 bis 2050. "Dieser Weg geht in die richtige Richtung", findet Landrat Jens Böther, "denn wir benötigen aktuelle Grundlagen für aktuelle Entscheidungen. Insofern hat es sich gelohnt, dass wir mit unseren Fragen und Forderungen hartnäckig geblieben sind."

An den generellen 30-jährigen Zeitreihen als Grundlage für die Ermittlung von Klimadaten und hydrogeologischen Verhältnissen hält das Land hingegen fest. Dies sei internationaler und nationaler Standard, erklärten die Vertreter in der Videokonferenz, eine Abweichung sei nicht möglich. Die Erläuterung des Kreishauses dazu: Kürzere Zeitreihen hätten eine Überbewertung von Extremwetterereignissen, die es immer schon gegeben hat, zur Folge – sowohl bei besonders nassen als auch besonders trockenen Jahren. "Die Erklärung ist für den Fachdienst Umwelt des Landkreises nachvollziehbar", findet Böther. "Es wäre schließlich auch sehr kurzfristig gedacht, nach mehreren aufeinanderfolgenden Regenjahren größere Entnahmemengen zu erlauben."

Ebenso weist der Verwaltungschef darauf hin, dass wie schon beim bestehenden Erlass bei der Ermittlung des Grundwasserdargebots weiterhin mit sehr vielen Sicherheiten gearbeitet wird. So werden für die Berechnung der durchschnittlichen Niederschlagsmenge die Trockenwetterjahre verwendet. Auch werden salzhaltige Grundwassermengen herausgerechnet, die nicht mehr als Trinkwasser dienen können. Dieser sogenannte Versalzungsabschlag fließt somit neben weiteren Abschlägen in die Ermittlung mit ein. Unterm Strich stünden dann nur noch etwa 20 Prozent der Grundwasserneubildung für eine Nutzung zur Verfügung, so Böther.

"Mit den Gesprächsergebnissen können wir gut arbeiten", fasst Böther zusammen und kündigt ebenso an: "Sollte der neue Grundwasserbewirtschaftungserlass zu dem Zeitpunkt, zu dem der Landkreis über die Anträge entscheiden muss, noch nicht in Kraft getreten sein, werden wir das Land um eine konkrete Einschätzung hinsichtlich der maßgeblichen Grundwasserkörper bitten."

Hinweis:
Die einzelnen Auswertungen, wie viel Grundwasser in den vergangenen Jahrzehnten neu gebildet wurde und was zukünftig prognostiziert wird, ist für jedermann einsehbar auf dem NIBIS-Kartenserver des Landes Niedersachsen. Weitere Informationen zum Thema Grundwasser im Landkreis Lüneburg – auch zum Erlaubnisverfahren für den Mineralwasserbrunnen von Coca-Cola – gibt es unter www.landkreis-lueneburg.de/grundwasser.