Wildschweine gefährden die Sicherheit der Schutzanlagen – Bleckede besonders betroffen

Auf der Suche nach Nahrung haben Wildschweine am Deich im Bleckeder Stadtteil Alt Wendischthun die Gras- narbe umgepflügt. Foto: 4B MedienverlagArtlenburg, 18.11.2021 - Immer mehr Verwüstungen richten Wildschweine im Gebiet des Artlenburger Deichverbandes (ADV) an. Auf der Suche nach Nahrung durchwühlen die Tiere den Boden und beschädigen damit die wichtige Grasnarbe des Deiches. Besonders betroffen sind Deichabschnitte im Bleckeder Stadtteil Alt Wendischthun und bei Radegast. 

Von einem "Schlachtfeld" spricht der Deichverband, auf mehr als einhundert Metern sehe die Fläche sieht aus wie ein umgepflügter Acker. "Diese Schäden gefährden die Deichsicherheit", sagte Deichhauptmann Hartmut Burmester bei der jüngsten Deichschau, an der eine Kommission aus Politik, Verwaltung, Behörden, Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr und Deichgeschworenen teilnahmen.

Doch den Tieren sei nicht so leicht beizukommen, wie Burmester erklärte. Am Deich in Alt Wendischthun nutzen sie den naheliegenden Schilfgürtel im Deichvorland als "Versteck". Eine Bejagung sei daher kaum möglich.

◼︎ Schwefeldünger soll helfen 

Deichhauptmann Hartmut Burmester mit dem Schwefeldünger, der die Wildschweine in Zukunft abhalten soll, die Deiche weiter aufzuwühlen. Foto: 4B MedienverlagAuch ein Verhindern dieser Verwüstungen sei kaum möglich. Aktuell versuchen die Deichschützer mit an den reparierten Stellen ausgelegten Schwefeldünger, die Wildschweine vom erneuten Umgraben punktuell abzuhalten. "Wir haben damit schon einige gute Ergebnisse erzielt", sagt Geschäftsführer Ansgar Dettmer. Der Wirkstoff werd langsam über Wochen und Monate an die Umgebung im Erdreich abgegeben. Bereits im vergangenen Jahr wurden die ersten Versuche gemacht. An diesen Stellen seien die Wildschweinschäden nun ausgeblieben. Der Einsatz des ökozertifizierten Schwefeldüngers sei für Menschen und andere Tiere nicht schädlich. Das Mittel besteht aus 90 Prozent Schwefel und zu zehn Prozent aus Bentonit. 

Die Wildschweine sind vor allem in der kalten Jahreszeit auf der Suche nach tierischem Eiweiß. Fündig werden sie auf den Wiesen und eben auch unter der Grasnarbe eines Deiches. Würmer, Larven oder Engerlinge sind dort reichlich vorhanden – eine Delikatesse für die Tiere. "Wir hoffen jetzt durch die Auslegung der kleinen Düngerkügelchen, dass sich die Wildschweine ihren Gourmet-Tempel nicht mehr bei uns suchen", sagt Ansgar Dettmer. 

◼︎ Sorge wegen Flutung des "Forstgrabens"

Doch nicht nur die Wildschweine waren Thema bei der Deichschau von Walmsburg bis Avendorf im Landkreis Harburg. So sieht der ADV das Vorhaben des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue kritisch, die direkt an den Deich anliegende Fläche "Forstgraben" bei Alt Wendischthun über mehrere Monate für Vogelarten künstlich zu stauen. "Wir haben die Sorge, dass die große Menge an lange gestautem Wasser den Deichfuß schädigen könnte", sagt Deichhauptmann Burmester. Auf jeden Fall aber sei die Unterhaltung auf weichem Untergrund schwieriger und der Deich bei Hochwasser weniger widerstandsfähig.