Warum "Kulturschaffende" unselige Assoziationen zum Nationalsozialismus auslösen
29.01.2022 - Dass Deutsch selbst für Eingeweihte bisweilen den Charakter einer Fremdsprache einnehmen kann, erfährt jeder, der regelmäßig den Newsletter der Duden-Redaktion erhält. Mal geht es darin um die Bedeutung des "e" und die Frage, ob es bei einer Adjektivbeugung weggelassen werden darf oder nicht, mal um das "Hin" und "Her", das auch klein geschrieben werden kann, ein anderes Mal um "als" und "wie" und warum mal ein Komma davor stehen muss und mal nicht. Das ist bisweilen anstrengend, doch die Sprachkenner bemühen sich anerkennenswerter Weise um Klarheit und Schärfe. Seit aber die Unwissenheit um die Bedeutung des generischen Maskulinums Redaktionen, Hörsäle und Rathäuser erreicht hat, schreitet auch die Vereinnahmung der deutschen Sprache für politische Zwecke mit großem Tempo voran. "Kulturschaffende" ist so ein Ergebnis.

